Nachhaltige Biomasse – oder wann ist Biomasse als Energieträger sinnvoll?

Energiegewinnung aus nachwachsenden Rohstoffen spielt in einer Energieversorgung, die möglichst komplett auf die Erneuerbaren setzt, eine wichtige Rolle. Der Einsatz von Biomasse ist unter ökologischen und sozialen Aspekten jedoch problematisch, wenn Energiepflanzen in Monokultur angebaut werden, ihre Plantagen Regenwald verdrängen oder Spekulation mit Biomasse zu einem Anstieg der Lebensmittelpreise führt.

zwei Traktoren ernten Mais auf dem Feld, Foto: mirpic, Fotolia.com


EU regelt Nutzung erneuerbarer Energien

Mit der EU-Richtlinie 2009/28/EG ("Renewable Energy Directive" – RED) gibt es eine europäische Bestimmung zur Förderung der Nutzung von Energie aus erneuerbaren Quellen. Das "CEN/TC 383 Sustainably produced biomass for energy applications" soll auf europäischer Ebene an einer Konkretisierung dieser Richtlinie für die Bereiche Transport, Wärme, Strom und Kühlung arbeiten. Auf nationaler Ebene spiegelt der Normenausschuss "NA 172-00-10 AA Nachhaltigkeitskriterien für Biomasse" beim DIN diese Arbeiten.

Wie kann Biomasse als Energieträger ökologisch sinnvoll genutzt werden?

Dabei geht es vor allem darum, Kriterien zu definieren, mit denen nachhaltig produzierte Biomasse für Energieanwendungen im Sinne der EU-Richtlinie (RED) zertifiziert werden kann. Denn nur solche Biomasse soll auf die zu erfüllenden Quoten für Erneuerbare Energien beim Energieverbrauch bzw. für Agrarkraftstoffe im Transportsektor angerechnet werden können.

Ökologische und soziale Kriterien müssen erfüllt werden

Die KNU-Umweltfachleute setzten sich im Normenausschuss dafür ein, dass Biomasse für Nicht-Nahrungszwecke nur im Sinne der Nachhaltigkeit genutzt wird – das heißt, dass ökologische und soziale Kriterien zum Tragen kommen sollen. Deshalb hoffen sie, einen Standard entwickeln zu können, dessen Anforderungen über denen der europäischen Richtlinie RED liegt. Denn es ist absehbar, dass dieser Standard zukünftig wesentlichen Einfluss auf weitere Sektoren der Biomasseproduktion – z.B. auf die Herstellung von Futtermittel – nehmen wird.

Weitere Maßnahmen erforderlich

Zertifizierung ist allerdings kein Allheilmittel. Indirekte Dynamiken können damit nicht aufgefangen werden. So kommt es im Bereich der Agrarkraftstoffe zu teils gravierenden indirekten Landnutzungseffekten, da der Anbau der Energiepflanzen häufig auf Flächen erfolgt, die zuvor zum Anbau von Nahrungsmitteln genutzt worden sind. Deren Produktion verlagert sich dann auf Wald- und Weideflächen. So werden Ökosysteme zerstört und Treibhausgase freigesetzt. Für diese indirekten Landnutzungsänderungen (indirect land use change) braucht es zusätzliche politische Instrumente zur Zertifizierung.



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